Blick von Haupteingang des Europaparlaments, 10.10.2016
Ken Loach im Kulturausschuss, 10.10.2016

Ken Loach im Kulturausschuss

10 Jahre Film-LUX-Prize ist ein besonderes Ereignis…” so Martina Michels, und weiter:

„Er zeigt sowohl die Besonderheiten eines sensiblen und künstlerisch-anspruchsvollen Kinos, dass in mehrfacher Hinsicht viele Sprachen spricht. Andererseits ist der Preis Ansporn, dass europäische Filmförderung und der cineastische Dialog innerhalb und außerhalb Europas eine stabile Infrastruktur braucht, den Kulturpolitiker und das Parlament nicht allein erkämpfen können.”

Heute Nachmittag sprach der Filmemacher Ken Loach im Kulturausschuss des Europäischen Parlaments. Er nutzte das 10. jährige Jubiläum des Film-Lux-Preises, den alljährlich das Europäische Parlament vergibt, für eine Hommage an das Europäische Kino. Er spielte einleitend mit der Lichtmetapher des Preises und gedachte Andrzej Wajda. Dann räumte er mit dem Mythos auf, dass die Englische Arbeiterklasse rassistisch sei und klassifizierte die Brexit-Debatte als eine von rechts geführte, die das Kindergartenniveau nicht überschritten hätte. Andererseits warf er der Linken vor, dass sie es versäumt habe, eine Debatte über eine EU zu führen, die kein neoliberales Fundament auslebt. Er sah die Linken einmal mehr in einem echten Dilemma angesichts einer EU, in der allerhand schief läuft. Abschließend erinnerte er – bezogen auf seine Schaffensweise – an Brecht, der gesagt habe, wenn ich einfach sage, wie die Dinge sind, muss es die Herzen aller brechen und schloß mit: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Der Kulturausschluss hatte anschließend auch eine kleine Generaldebatte über die EU.

Céline Sciamma and Andrea Segre, zwei der diesjährigen Nominierten Filmemacher, beschrieben anschließend zwei konkrete Projekte, die auf unterschiedliche Art und Weise um die Besonderheit des Europäischen Films, seine Vielfalt, kämpfen. Céline Sciamma hat – zusammen mit Universcine eine Kinemathek begründet, die nur von Regisseuren zusammengestellt wird und auf diese Art und Weise viel Europäische Filmgeschichte versammelt, um sie Bildungszwecken zur Verfügung zu stellen. Andrea Segre hingegen u. a. hat ein Label zur Förderung von Dokumentarfilmen gegründet.

Ab morgen öffnet anlässlich des 10jährigen Jubiläums des FILM-LUX-Preises die Ausstellung „100 shades of light“ für Brüsselbesucherinnen und -besucher ihre Pforten. Sie ist bis zum 29. Januar 2017 im Parlamentarium gleich neben dem Europäischen Parlament zu sehen. Hier sind die diesjährigen Gewinner des Preises, sowie Informationen, wo die Filme zu sehen sind.

Weitere Informationen auch hier.

Fotos:  Konstanze Kriese

Kategorien: Kulturpolitik und Magazin.